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Schulgeschichte 1900 bis 1945

Das 1. Schulgebäude,
ein kleines Umgebindehaus,
wurde 1651 erbaut und
stand am Pfarrweg.
Eine Zeichnung der 2. Schule,
in die 1868 umgezogen wurde,
heute August-Bebel-Straße 58.
Das 3. Schulgebäude
ist 1867 erbaut worden,
heute Pfarrweg 3.
Ein Schülerfoto von 1881 vor dem 3. Schulgebäude
Klassenbild von 1901
mit Kirchschullehrer Theodor Brückner
Das 4. Schulgebäude wurde 1900 erbaut, jetzt befindet sich hier das Rathaus.
Die außergewöhnliche Entwicklung Beierfelds seit Beginn des 20. Jahrhunderts veranlasste die ständige Vermehrung der Lehrkräfte und der Schulklassen. Die Vermehrung der Lehrkräfte führte gesetzmäßig zur Anstellung eines Schuldirektors. In dieses Amt wurde Ostern 1913 der Bürgerschullehrer Franz Arthur Döhler aus Niederlößnitz bei Dresden berufen. 1881 in Stangengrün geboren, hatte er sich nach seiner Ausbildung zwecks Ergänzung seiner Sprachkenntnisse studienhalber nach England begeben. Im Lehramt war er tätig als Vikar in Braun bei Auerbach, als Hilfslehrer in Falkenstein und Bürgerschullehrer in Niederlößnitz. Er übte das Amt eines Schuldirektors in Beierfeld von 1913 bis 1945 aus.
Die neue Schule wurde von 1911-1912 erbaut, und am 19.10.1912 eingeweiht. Heute ist es die Mittelschule.
Der 1. Weltkrieg hemmte den äußeren und inneren Ausbau des Schulwesens sehr stark, indem er die eingearbeiteten Lehrkräfte nach und nach entzog. Als man nach Kriegsschluss das Versäumte nachholen wollte, gestalteten sich die wirtschaftlichen Verhältnisse dermaßen schwierig, dass nicht alle Wünsche, so berechtigt sie auch waren, erfüllt werden konnten.

Immerhin wurde manches erreicht. So wurde das Mannheimer Schulsystem eingeführt. Es sah die Gliederung der Klassen nach Leistungen in A-, B- und C-Klassen vor. Für die A-Klassen wurde1919 der Unterricht wahlweise in zwei Fremdsprachen zur Pflicht. Französisch ab Klasse 4 und Englisch ab Klasse 7 bzw. später ab Klasse 5. Seit 1919 wurde auch Stenographie ab dem 8. Schuljahr gelehrt. Die musikalisch Begabten erhielten im 8. Schuljahr eine Chorsingstunde mit Gitarrenunterricht. Im gleichen Jahr erfolgte erstmalig die ärztliche Pflicht-Untersuchung der Schulkinder. Schularzt wurde Dr. med. Max Knappe. Ebenso erfolgte 1919 die Einführung der Lehrmittelfreiheit für Hefte und Zeichenmaterial.

Von 1920 bis 1924 wurde der Kronesaal als Turnhalle genutzt und seit dem das ganzjährige Turnen durchgeführt. Seit 1920 sind für den Handarbeitsunterricht der Mädchen staatlich geprüfte Nadelarbeitslehrerinnen tätig. Im Jahre 1920 wurde auch die Mädchenfortbildungsschule eröffnet, welche seit 1923 auch über eine eigene Kochküche im Kellergeschoss der Schule verfügte. Der Lehrmittelbestand wurde insbesondere durch Spenden bedeutend erweitert und die Schule erhielt einen künstlerischen Wandschmuck. Eine Einrichtung zur Vorführung von Lichtbildern wurde beschafft. Der Jugendpflege diente ein Jugendheim. Gute Klassenbüchereien sowie eine Lehrerbibliothek waren vorhanden. 1920 erfolgte die Gründung eines Lehrer- und Elternrates. Am 01.10.1920 übernahm der Staat die Besoldung der Lehrer. Ein alter Wunsch der Lehrerschaft ging dadurch in Erfüllung. An dieser Stelle sei bemerkt, dass vor dem 2. Weltkrieg das Schuljahr Anfang April (Ostern) begann, während nach dem 2.Weltkrieg der Beginn des Schuljahres auf Anfang September gelegt wurde.

Die Lehrmittelfreiheit wurde 1921 durch Beschluss des Schulausschusses erweitert. Fortbildungsschüler und -schülerinnen erhielten nun auch Arbeitshefte, Zeichenbücher und -blocks unentgeltlich. Die Schulanfänger bekamen Schiefertafel und Fibel. Alle Kinder erhielten die gedruckten Rechenbücher, sobald diese in Neubearbeitung erschienen.

Ein Höhepunkt im Schul- wie auch im Gemeindeleben war das Schulfest, welches vom 2. bis 5. September 1921 stattfand. Es gestaltete sich zu einem wahren Heimatfest, was folgende Beschreibung belegt:

"Am Freitagabend wurde das Fest mit einer Gedächtnisfeier an dem mit prachtvollen Kränzen geschmückten Kriegerdenkmal eingeleitet. Dann begab sich die Feiergemeinde unter den Klängen des einsetzenden Ehren- und Festgeläuts nach dem nahen Friedhof, wo an 18 Gräbern je ein Heidestrauß niedergelegt wurde. Um 20.00 Uhr fand dann der Zapfenstreich statt, den die beiden Beierfelder Konzertinakapellen und die Knabenklassen des 7. und 8. Schuljahres und die Fortbildungsschüler in zwei Abteilungen ausführten. Am Sonnabend 9.00 Uhr setzte sich ein prächtiger und langer Festzug durch den reich mit Fahnen und Laubgewinden geschmückten Ort in Bewegung. Der Festzug zeigte prächtige Bilder aus der Vergangenheit unserer Heimat und stellte den Höhepunkt des Schulfestes dar. Eine Reitergruppe an der Spitze mit 16 Pferden stellte den Prinzenraub von1455 dar, die Reiter in prächtigen mittelalterlichen Trachten und Rüstungen, gefolgt von vier verwegen dreinschauenden Köhlern. Darauf folgte die Feuerwehr.

Dann trugen 21 Wagen, zum Teil vierspännig, zwei Ochsengespanne darunter, Gruppen, die folgendes darstellten: Tiroler Schützen mit Diana, Turner mit Jahnbüste und Turngeräten, Schützen mit Riesenfaß, Erzgebirgische Hutzenstub, häusliches Leben im Erzgebirge, die vier Jahreszeiten, Löffelschmiede, Löffelmacherei, Schneewittchen mit den sieben Zwergen, Weihnachten im Erzgebirge, Friedensklänge, der heimatliche Wald mit Beerleuten und dahinter Waldleute mit schweren Lasten von Holz und Reisig sowie Darstellungen des Handwerks. Auf mehreren Wagen fuhren die ABC-Schützen der drei Klassen des 1. Schuljahres, ein Wagen führte die Kinder des Frankonia-Sanatoriums und die letzten beiden Wagen brachte unter der Inschrift "Junges Gemüse" die erst nächste Ostern für die Schule flügge werdende Kinderschar.

Zwischen den Gruppen marschierte die fröhliche Schuljugend einschließlich der beiden Fortbildungsschulen, die Knaben gruppenweise mit Armbrust oder wehenden Fahnen, die Mädchen mit Blumenbogen und Kränzen, belebt noch durch Gruppen, die irgendeinen Gedanken zum Ausdruck brachten z.B. aus der Märchenwelt Rotkäppchen und der Wolf. Zwei Musikkapellen, der Tambourzug der Schützengesellschaft, die beiden Konzertina-Vereine und die Mandolinen- und Lautenspieler und fahrende Gesellen sorgten für die Marschmusik. Der Nachmittag versammelte die Jugend mit ihren Lehrern und den Eltern zum Vogelschießen und anderen Belustigungen auf dem Turnplatz der Deutschen Turnerschaft an der Waschleither Straße. Neben Kaffee und Kuchen, Würsteln und Semmeln erhielt jedes Kind einen Emaillebecher mit entsprechender Aufschrift, gestiftet von der Firma Nier & Ehmer. Jeder Fortbildungsschüler und jede -schülerin erhielt einen Aluminiumbecher mit Widmung, gespendet von der Firma Ludwig Hutzler. Turnerische Vorführungen der Knaben, Singspiele der Mädchen, Musikumzüge von Mandolinen- und Lautenspielern, sorgten für weitere Unterhaltung. Den Schluss bildete ein 27-teiliges brillantes Feuerwerk, gestiftet von der Firma Hermann Nier. Prächtig war dann auch der Lampionzug, der sich durch den Ort zum Schulplatz bewegte, begleitet von Illuminationen und dem Buntfeuer der Firmen Ernst Georgi und Frankonia AG. Am Sonntagnachmittag wurde der Festumzug, allerdings ohne Wagen, wiederholt. Auf dem Festplatz fanden wieder Belustigungen,Klassenspiele und Vorführungen des deutschen Turnvereins, insbesondere von seiner Damenabteilung statt. Abgerundet wurde der Tag mit Lampionzug und Buntfeuer. Zum Abschluss des Schulfestes fanden am Montagnachmittag kostenlose Filmvorführungen für die Kinder mit dem Titel: "Beierfelder auf dem Kreisturnfest Weimar" und "Deutscher Wald" statt."

Seit November 1921 bestand an der Schule eine Nebenstelle des Arbeitsnachweises und der Lehrstellenvermittlung der Amtshauptmannschaft Schwarzenberg. Dem Gesangsunterricht diente seit 1921 ein neuer Flügel (Förster-Löbau).

1923 wurde die 1917 gegründete Schulsparkasse aufgelöst und in die Gemeindesparkasse überführt. Mit der Aufführung "Mein Dörfchen" von Franciskus Nagler trat die Schule 1923 an die Öffentlichkeit. Als Schulaufführung wurde zu Ostern 1924 "Der Deutsche Wald" von Nagler geboten. Aus einem Teil des Reingewinns wurde ein Lichtbildapparat mit Epidiaskop   und eine stattliche Anzahl wertvoller Lichtbilder beschafft. Im Rahmen eines Elternabends erfolgte die Aufführung "S` Klinghäusel" von Nagler.

Als 1925 der Gastwirtschaftsbetrieb des Gasthofs "Krone" wieder aufgenommen wurde, musste schon 1924 das Turnen wieder auf dem Hof bzw. im kleinen Turnraum in der Schule stattfinden. (Jugendheim)

Die Osteraufführung 1926 bringt Hans-Sachs-Spiele. Im gleichen Jahr wurde auch ein Förster-Flügel erworben. Erstmalig wurden in diesem Jahr 5 Wandertage durchgeführt. Die Schulaufführung (Uraufführung) des Jugendspiels "Jugendlust im Jahresreigen" von A. Mothes und B. Hammerschmidt aus Plauen wird im Spätherbst 1926 in Gegenwart des Komponisten und der Textdichterin   zu einem vollen Erfolg, so dass eine dreimalige Wiederholung stattfand. Seit 1926 befindet sich eine Antenne der Funk-Vereinigung Erzgebirge E.V. Sitz Beierfeld auf dem Dach der Schule.

Im Jahre 1927 wird ein Physikraum eingerichtet und 1928 eine Verdunklungseinrichtung beschafft. Verbindlich vorgeschriebene Lehrmittel waren das Lesebuch, das Regel- und Wörterverzeichnis, ein biblisches Geschichtsbuch, das Rechenheft, das Liederbuch sowie Atlas und Karte von Sachsen und der Amtshauptmannschaft.

Zu Ostern 1929 tritt die Schule mit der Aufführung des Naglerschen Spiels "Schulze Hoppe" an die Öffentlichkeit. Die Hauptrollen werden diesmal von Lehrern gespielt. Ein Teil des Reinertrages wurde zur Anschaffung einer Schulfunkanlage verwendet. Alle Klassenzimmer und das Lehrerzimmer erhielten Lautsprecher. Ab Ostern 1929 wurde in den Hauptpausen das Pausenturnen eingeführt. Die neue Rundfunkanlage mit einem Plattenspieler lieferte die Musik dazu. Das Pausenturnen mit Musik wurde bald nach Beierfelder Muster in einer großen Anzahl von Schulen des Bezirkes eingerichtet.

Von 1930 bis 1932 wurden alle Klassenräume mit Parkett belegt. Durch die Verlagerung der Volksbücherei ins Gemeindeamt wurde 1930 ein 2. Raum zur Unterbringung von Lehrmitteln gewonnen. Der Physikraum wird 1930 mit aufsteigenden Sitzreihen eingerichtet.

Die Innenausstattung der Schule und das Schulgelände wird im Schuljahr 1930/31 wie folgt beschrieben:

"Das Schulgebäude enthält 13 Klassenzimmer, 2 Lehrmittelzimmer, ein Lehrer- und ein Schulleiterzimmer, einen Turnraum, eine Lehrküche der Mädchenfortbildungsschule und die Hausmeisterwohnung. Ein Klassenzimmer ist mit Tischen und Stühlen ausgestattet, die übrigen haben Bänke verschiedener Systeme. Im allgemeinen wird der feststehenden Schulbank, davon wieder der Mittelholmbank, der Vorzug gegeben, da sie nach Höhe, Form und Größe ein bequemes Sitzen ermöglicht. Beim Sitzen und Aufstehen werden Geräusche vermieden und durch die breite, schräge Platte wird bei jeder Arbeitsweise eine geräumige Arbeitsfläche geboten. Tische und Stühle erfordern bei längerem Gebrauch mehr Reparaturen, da nicht immer mit der gebotenen Vorsicht damit umgegangen wird. Trotz schärfster Aufsicht und immer wiederholter Belehrung ist es schwer, die Kinder zur pfleglicher Behandlung des Inventars zu erziehen. Unterhalb der Schule befinden sich 2 Plätze, der eine mit Kiesdecke und einer Fläche von 1280 m², der andere etwas größere mit Rasen. Beide werden als Spielplätze, der obere hauptsächlich für das Turnen verwendet. Vorhanden sind 2 Schulgärten (80 m² und 150m², wovon der kleinere als Schau-, der größere als Arbeitsgarten verwendet wird."

Das Land für den Schulgarten stellte die Firma Hermann Nier an der Frankstraße 1929 zur Verfügung.

Der Sportbetrieb bezog sich 1930 besonders auf das Schwimmen und den Schneeschuhlauf. Für das Schwimmen stand der Teich in den Anlagen des Naturheilvereins zur Verfügung. Die Anlage war jedoch sehr klein und das Wasser sehr kalt. Der Schneeschuhlauf war im Klassenverband nicht voll durchführbar, da ein Teil der Kinder keine Schneeschuhe besaß. Außerhalb der Schule wurde der Sportbetrieb durch die Turn- und Sportvereine stark gefördert.

Die vorhandene Schülerbücherei war in Klassenbüchereien zerlegt. Für die Klassen des 5. bis 8. Schuljahres standen 418 Bände zur Verfügung. Die Benutzung war sehr gut. Im Laufe des Schuljahres 1930/31 wurden 4 Kinobesuche veranstaltet. Wenn nicht die Kostenfrage eine Rolle spielte, wäre ein öfterer Besuch sehr zu empfehlen gewesen. Auch ein Glasbläser und ein Töpfer zeigten ihre Kunst. Die Teilung in Normalklassen und Nachhilfsklassen erfolgte ab dem 3.Schuljahr. Von 19 Klassen waren 5 Nachhilfsklassen. Hilfsschuleinrichtungen waren nicht vorhanden.

Am 5. und 6. September 1930 fand wieder ein Schulfest statt. Die Zwickauer Zeitung vom 08.09.1930 berichtete darüber wie folgt:

"Es war ein Wagnis in dieser Zeit ein derartiges Fest in Szene zu setzen. Doch auch dieses Fest wurde ein wahres Heimatfest. Dem schneidigen Zapfenstreich der Freiwilligen Feuerwehr am Freitagabend folgte am Sonnabend früh der Weckruf. Dann zogen 300 Knaben und Mädchen in luftiger Turnkleidung mit Musik zur Kampfstätte "Hermann Nier Stadion" an der Waschleither Straße, um in friedlichem Wettstreit den schlichten Eichenkranz zu erringen. Vorzüglich klappte die Organisation in den 16 Riegen, so dass das turnerische Programm bereits in 2 3/4 Stunden erledigt war. Der Zeitpunkt des Festzuges nahte heran. Der Stellplatz "Hütte Silberhoffnung" vermochte kaum all die Teilnehmer zu fassen. Wie viel fleißige Hände mögen wohl all die hübschen Kostüme und einheitlichen Gruppenkleidungen geschaffen haben? Mit welcher Liebe wurden die 12 Festwagen, die Ereignisse des Kinderlebens und bodenständige echt erzgebirgische Höhepunkte des Erlebens verkörperten, geschaffen. Wenn man all die Trachten beschreiben wollte, würde dies zu weit führen. Deshalb sei lediglich gesagt, dass wohl alle bekannten Märchen sowie Volks- und Kinderlieder dargestellt wurden. Nicht weniger als 5 einheimische Kapellen sorgten für Marschmusik beim Festzug, an dem ca. 1000 Menschen teilnahmen. Der Festplatz war zum Volkspark geworden. Es mögen 5000 Besucher da gewesen sein. 28 Vögel und unzählige Spiele für die Kleinen und Kleinsten boten reichlich Abwechslung. Die Konzerte der 5 Kapellen, die einander in ihren Leistungen zu überbieten suchten, erfreute allgemein. Bei hereinbrechender Dunkelheit erstrahlte der Festplatz in herrlichster Illumination und der abschließende großartige Lampionzug mit der Schlussansprache des Bürgermeisters vor der beleuchteten Schule beendete das Fest."

Eine ganz unerwartete Freude wurde Beierfeld am Sonntag, den 07.09.1930 zuteil. "Graf Zeppelin", der sich auf einer Landungsfahrt nach Breslau (heute Wroclaw) befand, kreuzte über unsere Gegend. Vormittags kurz vor ½ 12 Uhr schreckte ein dumpfes Brummen, die noch unter dem Eindruck des schön verlaufenden Schulfestes stehende Einwohnerschaft auf. Immer deutlicher zeigte sich der Luftriese über dem Raschauer Grund. Über Schwarzenberg verlangsamte er seine Fahrt und drehte das Luftschiff in scharfer Rechtskurve direkt auf Beierfeld zu. Erhaben und langsam zog es seine Bahn die Staatsstraße herauf, links an den Nier-Essen vorbei so tief, dass man deutlich seine Inschrift "Graf Zeppelin - D= L. Z. 127" lesen konnte. Nur zu bald entschwand der "Zeppelin" über den Spiegelwald in Richtung nach Scheibenberg den staunenden Blicken. Erwähnenswert ist auch, dass schon einige Jahre vor dem 1. Weltkrieg ein "Zeppelin" in Schwarzenberg auf der großen Wiese beim Kaffee "Bartl" landete. Als einziger Sachse fuhr damals der Sachsenfelder Rittergutsbesitzer Wussing mit in diesem Luftschiff. Nach einigen Stunden Aufenthalt stieg man, nach dem die Ketten und Stricktaue los gemacht wurden, wieder in die Höhe, zurück zum Bodensee.

Ab dem Schuljahr 1931/32 wurde für die Knaben des 5. und 6.Schuljahres Werkunterricht eingeführt, welcher in 4 Abteilungen zu je 2 Wochenstunden stattfand. Eine Auswirkung der Notverordnungen war der Wegfall des wahlfreien Unterrichts in Englisch, Stenographie und Gitarre ab. 1. Oktober 1931 und dieAufhebung der Lehrmittelfreiheit. Nur auf Antrag der Eltern und nach Prüfung der Bedürftigkeit wurden Lehrmittel und gedruckte Bücher ausgeliehen.

Infolge der Arbeitslosigkeit und durch die politische Betätigung in der Öffentlichkeit (Aufmärsche, Gespräche, Plakate) wird auch die Schuljugend mit in den Strudel der politischen Kämpfe hineingerissen, wie aus Äußerungen im Unterricht, Pausengesprächen und der Spaltung der Klassen in verschiedene Lager hervorgeht.

Im Schuljahr 1932/33 schloss der Schulbezirk mit dem Naturheilverein gegen Bezahlung eines Pauschalbetrages einen Vertrag zur Nutzung des Bades an 2 Tagen in der Woche ab. Das Bad war vergrößert und verbessert worden. Gestiftet wurde ein Grammophon von der Firma Nier & Ehmer, was besonders im Turnen wertvolle Hilfe leistete.

Am 30.06.1932 wurde ein Schulsportfest verbunden mit den Reichsjugendwettkämpfen abgehalten, wozu der Deutsche Turnverein das Hermann Nier-Stadion an der Waschleither Straße bereitstellte. 400 Wettkämpfer - Volksschüler vom 4. Schuljahr ab und Berufsschüler- turnten Freiübungen. Recht gute Leistungen zeigten auch die volkstümliche Wettkämpfe z.B. in der Leichtathletik.

Mit der Machtergreifung der N.S.D.A.P. ergaben sich1933 an der Schule viele Veränderungen. Es galt nun das Führerprinzip unter Kontrolle und Mitwirkung der N.S.D.A.P.

Die kollektive Schulleitung wurde abgeschafft. Der Schuldirektor war für alle schulischen Maßnahmen allein verantwortlich. Der Lehrerrat, der Elternrat und die Elternvereinigung wurden ebenfalls aufgelöst. Die bisher üblichen Hauptversammlungen der Lehrerschaft werden eingestellt.. Der Schulrat verhandelte nur noch mit den Rektoren, welche die Anweisungen des Schulrates an die Lehrer weiterzugeben haben. Auch die Lehrervereinigungen und die Schulzeitungen wurden aufgelöst. Der Begriff "Kollege" wird durch "Berufskamerad" ersetzt. Alle Lehrerwerden im NS-Lehrerbund organisiert. Jede Schule bekam einen Zellenobmann der N.S.D.A.P, welcher die einzelnen Kollegen weltanschaulich überprüfte und Geheimberichte über die Berufskameraden anfertigte.

Selbst der Teil der Lehrer, der dieser Entwicklung mit Zurückhaltung oder Unbehagen verfolgte, konnte sich somit nicht der Aufgabe entziehen, die Schüler zur Unterordnung unter das faschistische Regime zu erziehen und somit der Vernichtung anderer Völker und "artfremder Rassen" Vorschub zu leisten.

Die Schule erhielt 1934 eine Radio-Großlautsprecher-Anlage für den Turnunterricht und 1935 einen Filmapparat. Um mehreren Klassen gleichzeitig Filme zu zeigen, wurde 1936 eine Verdunklungseinrichtung für die Korridore und die Treppenfenster angebracht. Im Jahre 1937 erhält die Schule den ersten eigenen Fernsprechanschluss. Früher gab es nur einen Nebenanschluss vom Gemeindeamt. Auch 25 zusammenklappbare Bänke für je 6 Mann und eine neue Rundfunkempfangsanlage wurden 1937 beschafft.
Ein Konfirmationsfoto des Geburtsjahrgangs 1922. In der Mitte Pfarrer Beyer, rechts Oberlehrer Kantor Fuchs, links Lehrer Schubert.
Ein Klassenbild des Geburtsjahrgangs 1927 vor der neuen Schule mit dem Lehrer Fritz Gräßler.
Nach Ausbruch des 2. Weltkrieges werden viele Lehrer ab 1939 zeitweise zum Wehrdienst eingezogen. Das bedingt Klassenzusammenlegungen und verkürzten Unterricht, da Ersatzkräfte zunächst nicht zu haben sind. Aus Nachbarschulen werden zeitweise Lehrkräfte nach hier abgeordnet. Den Winter über machen sich die ersten Heizungsschwierigkeiten bemerkbar. Mehrere Wochen ist Unterrichtsausfall. Die Lehrer werden anderweitig beschäftigt, z.B. in der Gemeindeverwaltung.

Am 20.05.1940 wurde Schuldirektor Arthur Döhler zum Rektor durch den Reichsstadthalter ernannt. Im gleichen Jahr wird in der Schule ein Notlager für Kinder aus bombengefährdeten Gebieten (Kinderlandverschickung) eingerichtet. 30 Kinder aus Neuß am Rhein bezogen mit ihrer Lehrerin Quartier. Drei Klassenzimmer wurden als Schlafraum, Tages- und Unterrichtsraum bzw. als Krankenstube umgestaltet. Die Kochküche wurde in einen Waschraum umgestaltet. Die Verpflegung der Kinder erfolgte im Restaurant "Zur Post". Die Ortsbewohner übernahmen Patenschaften für die Kinder. Sie luden sie sonntags ins Haus und wuschen und flickten ihre Wäsche. Auch 1941 werden 27 Kinder aus Düsseldorf in der Schule untergebracht. Im Dezember 1941 waren 874 Schlitten zur Musterung in den Fluren der Schule untergebracht. Die Musterung erfolgte durch Stellmacher Solbrig. Wehrdienstfähig waren 500 Schlitten, davon hatte die Wehrmacht 200 übernommen.

Im Jahre 1943 wurde der Schularztvertrag gelöst. Ab 01.04.1943 oblag die Durchführung der Jugendgesundheitspflege den staatlichen Gesundheitsämtern. Ab 1943 werden die Luftalarme häufiger und bedingen des öfteren Unterrichtsausfall. Das Luftschutzübungshaus, ein Behelfsbau auf dem Schulhof, wurde am 31.07.1944 dem Reichsluftschutzbund, Gemeindegruppe Beierfeld übergeben.

Weitere  Kinderlandverschickungslager vom 13.06.1943 - 01.06.1944 für 32 Mädchen aus der Mittelschule Wuppertal-Elberfeld, vom 03.06.1944 - 07.08.1944 für 17 Mädchen und 2 Frauen eines Berliner Kinderchors und seit dem 01.09.1944 für 33 Berliner Jungmädchen mit 1 Lehrerin mussten in der Schule eingerichtet werden:

Auch 80 Leipziger Kinder kamen im Frühjahr 1944 an die Schule und bildeten mit 2 Lehrkräften eine eigene Schulklasse.

Im Frühjahr 1945 war fast täglich Luftalarm. Der meiste Unterricht musste deshalb ausfallen. Am 18.04.1945 wird die Schule ganz geschlossen. Seit Januar 1945 mussten viele Klassenzimmer zur Unterbringung der deutschen Flüchtlinge aus Ostpreußen und dem Sudetenland geräumt werden. Nach dem Einrücken der sowjetischen Besatzungsmacht diente die Schule wiederholt als Truppenunterkunft.

In der Zeitspanne von 1900 bis 1945 wirkten folgende Schulleiter und Lehrer über eine längere Zeit:
Schulleiter / Lehrer:      
Franz Arthur Döhler 1913 - 1945 Erwin Ficker 1918 - 1945
Max Engert 1886 - 1924 Walter Popp 1919 - 1945
Adolf Herm. Krauß 1903 - 1908 Johannes Schubert 1921 - 1942
Kurt Fuchs 1907 - 1945 Friedrich Gräßler 1921 - 1945
Fritz Irmscher 1908 - 1917 Georg Lützendorf 1922 - 1927
Hugo Marschner 1908 - 1922 Erna Schwarze 1923 - 1928
Walter Kempe 1911 - 1919 Hertha Thiel 1925 - 1945
Arthur Weller 1912 - 1919 Erich Oeser 1924 - 1938
Theodor Haustein 1913 - 1924 Erich Burghardt 1927 - 1932
Kurt Richter 1916 - 1921 Alfred Richter 1928 - 1945
Fritz Münch 1919 - 1923 Herbert Hermann 1929 - 1937
Kurt Helbig 1919 - 1929 Willy Schäfer 1929 - 1945
Martin Nier 1919 - 1945 Elise Keil 1927 - 1933
Gottfried Tanneberger 1919 - 1922    
Nadelarbeitslehrerinnen, die über mehrere Jahre in Beierfeld wirkten, waren:
Agnes Lehmann Mauersberger
Luise Petzold 1903 - 1920
Magdalene Hofer 1920 - 1921
Elisabeth Döhler 1921, 1939 - ?
Dorothea Ficker (geb. Götze) 1921 -1927, 1939 - 1946
Gertraude Bär 1927 - 1931
Dorothea Flade 1932 - 1934
Elisabeth Görner 1941 - ?
Das Schulwesen entwickelte sich im Zeitraum 1900 - 1945 wie folgt:
Jahr Zahl der Lehrkräfte Zahl der Schüler Zahl der Klassen
1905 4 420 8
1907 5 490 10
1911 7 585 13
1913 9 596 16
1915 9 630 17
1918 10 672 17
1919 12 690 19
1920 14 714 20
1922 14 731 21
1925 14 542 19
1926 16 550 19
1928 16 548 20
1931 15 543 19
1933 13 606 19
1936 17 581  
1938 12 510 15
1939 15 580  
Neben der Grund- und Mittelschule ist auch die Entwicklung des Fortbildungs- bzw. Berufsschulwesens von Bedeutung.

Es fing mit der Sonntagsschule an, welche Kantor Brückner im Jahre 1871 gründete und welche von Schulentlassenen aus Beierfeld, Sachsenfeld, Bernsbach, Waschleithe und Lauter besucht wurde. Kantor Brückner gab Deutsch, Lehrer Böhm Rechnen, Bernhard Stiehler, später Christian Baumann Zeichnen. Auch Chemie wurde gelehrt. Diese Lehrkräfte leisteten alles unentgeltlich.

Im Oktober 1875 wurde diese Sonntagsschule in die gesetzliche Fortbildungsschule umgewandelt, wobei die genannten 3 Lehrkräfte Sonntags von 12 - 15 Uhr unterrichteten. Das Ziel der Fortbildungsschule bestand zunächst darin, den Knaben nach Abschluss der 8-klassigen Volksschule während ihrer Lehrzeit ein berufliches und allgemeines Grundwissen zu vermitteln. Während der 3-jährigen Schulpflicht wurde den Knaben in durchschnittlich 4 bis 6 Wochenstunden während ihrer Lehre ein Grundwissen in Wissenschaft, Volkswirtschaftslehre, Gewerbegesetzgebung und Bürgerkunde vermittelt.

Im Jahr 1920 kam zur Knabenfortbildungsschule auch die Mädchenfortbildungsschule hinzu. Unterrichtsfächer für die Mädchen waren Deutsch mit Lebenskunde, hauswirtschaftliches Rechnen, Schnittzeichnen und Maschinennähen sowie Turnen. Mit Hilfe von Spenden Beierfelder Firmen wurde 1923 die Kücheneinrichtung für einen Kochraum in der Schule beschafft. So wurden 1925 die 48 Mädchen des 3. Jahrgangs in 3 Abteilungen von je 14 Mädchen 4 Stunden pro Woche im Kochen unterrichtet. 1927 kam ein Kurs in Säuglingspflege, gehalten durch Gemeindeschwester Frieda Läßig hinzu. Von 1923 bis 1929 besuchten auch die Waschleither Fortbildungsschüler die Fortbildungsschule Beierfeld bis sich die Gemeinde Waschleithe der Berufsschule Grünhain anschloss.

Bereits Anfang des 20. Jahrhunderts genügten die allgemeinen Fortbildungsschulen den Anforderungen einer nach Berufen gegliederten Ausbildung nicht mehr. Deshalb wurde 1903 die Handels- und Gewerbeschule Schwarzenberg gegründet. Der Versuch der Gemeinde Beierfeld 1923 ebenfalls eine eigene Gewerbeschule für Klempner und Schlosser ins Leben zu rufen, scheiterte am Widerstand des Wirtschaftsministeriums Dresden, welches den ablehnenden Bescheid mit besseren Ausbildungsmöglichkeiten in Schwarzenberg begründete.

Um der schulentlassenen Jugend dennoch eine gründliche Berufsausbildung zu sichern, trat die Gemeinde mit Beschluss vom 02.03.1923 dem von Schwarzenberg ins Leben gerufenen Gemeindeverband zum Zwecke der Unterhaltung einer Handels- und Gewerbeschule für Schwarzenberg und Umgebung bei. Auch die Fortbildungsschule wurde in diesen Verband einbezogen und unter die Leitung des Gewerbeschuldirektors gestellt. Die Gemeinde musste nun zu den Kosten des Verbandes entsprechend der Schülerzahl beitragen.

Durch den Beitritt Beierfelds zum Verband konnte jeder Beierfelder Schüler seine Berufsausbildung auch in Schwarzenberg sichern. Daraufhin sank die Schülerzahl der Knabenfortbildungsschule. In die Knabenfortbildungsschule gingen seit 1923 nur noch Landwirtssöhne, ungelernte Arbeiter, zurückgebliebene Schüler und Knaben, deren Lehrherrn oder Arbeitgeber den Besuch von Handels- und Gewerbeschule nicht erlaubten. Seit 1930 wurden alle 3 Jahrgänge der Knabenfortbildungsschule in einer Klasse vereinigt.

Seit dem Schuljahr 1929/30 erhob man die Fortbildungsschule Beierfeld zur Berufsschule. Im Auftrag und durch Ermächtigung des Ministeriums für Volksbildung wurde die Vereinigung der Berufsschule Beierfeld mit der Handels- und Gewerbeschule Schwarzenberg mit Wirkung vom 01.04.1937 gegen den Widerstand der Gemeinde Beierfeld verfügt. Der Berufsschulstandort Beierfeld wurde somit aufgehoben.
Die Entwicklung der Knaben- und Mädchenfortbildungsschule zeigt folgende Statistik:

  Knabenfortbildungsschule Mädchenfortbildungsschule
Jahr Zahl d. Schüler Zahl d. Klassen Zahl d. Schüler Zahl d. Klassen
1895 78 2 - -
1911 148 3 - -
1916 185 4 - -
1920 80 4 36 1
1923 54 3 130 4
1925 45 2 133 4
1930 24 1 142 7
1935 32 1 94 4
1936 38 1 108 3
Bei den vorgenannten Schülerzahlen ist in Rechnung zu ziehen, dass zahlreiche Schulentlassene auswärtige Schulen zur gewerblichen und kaufmännischen Fortbildung besuchten.

Folgende Anzahl Beierfelder Schüler besuchte die Handels- und Gewerbeschule Schwarzenberg bzw. später die Berufsschule Schwarzenberg:
Schuljahr Handelsschule Gewerbeschule Berufsschule
1924/25 19 63 -
1926/27 22 87 -
1930/31 5 59 -
1933/34 7 33 -
1936/37 37 76 -
1939/40 38 73 93
1943/44 29 48 66
1950 - - 146
Abschließend sei noch erwähnt, dass 1938 die Handelsschule Schwarzenberg von der Gewerbeschule getrennt wurde. Da die räumlichen Bedingungen der gewerblichen Berufsschule im Anwesen, wo heute eine Filiale der Schmidt Bank steht, mit der Entwicklung der Schülerzahlen nach dem 2.Weltkrieg nicht Schritt hielt, erbaute man 1954 eine neue Berufsschule am Hofgarten für 1400 Schüler mit Turnhalle und Sportplatz.
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